Eco-Anxiety (Klimaangst) und Neurotizismus: Wenn der Klimawandel psychisch belastet
Die interessante Arbeit untersucht das Phänomen der „Eco-Anxiety“ (Klimaangst) in der deutschen Bevölkerung. Ein Team von Psychologiestudierenden der Hochschule Fresenius analysierte, inwieweit die psychische Belastung durch den Klimawandel mit soziodemografischen Merkmalen, dem Persönlichkeitsfaktor Neurotizismus und dem aktiven Engagement im Klimaschutz zusammenhängt. Neurotizimus wurde mit dem Big-Five-Persönlichkeitstest (B5T®) von Dr. Satow erfasst, der für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos genutzt werden kann.
Hintergrund
Eco-Anxiety beschreibt die emotionale und kognitive Belastung, die Menschen im Kontext des Klimawandels erleben. Die Studie geht davon aus, dass extreme Wetterereignisse und die mediale Präsenz der Klimakrise negative Emotionen wie Ängstlichkeit, Stress oder Verzweiflung auslösen können. Als theoretischer Rahmen dient das „Extended Parallel Process Model“ (EPPM), das erklärt, wie Menschen auf Bedrohungen reagieren: Entweder führt eine hohe wahrgenommene Wirksamkeit zu aktivem Handeln oder eine niedrige Wirksamkeit zu Vermeidung und Leugnung.
Es wurde eine quantitative, querschnittliche Online-Befragung durchgeführt. Der bereinigte Datensatz umfasst N = 213 Personen im Alter von 17 bis 81 Jahren (Mittelwert: ca. 39 Jahre). Über 63 % der Teilnehmenden waren weiblich. Zur Erhebung der Daten wurden standardisierte Skalen eingesetzt, wie die Climate Change Anxiety Scale (CCAS), die Environmental Action Scale (EAS) sowie die Subskala Neurotizismus des Big-Five-Persönlichkeitstest (B5T) von Dr. Satow.
Ergebnisse
Ausmaß der Eco-Anxiety: Klimaangst ist in der Stichprobe messbar vorhanden. Da kein klinischer Grenzwert existiert, wurde das oberste Viertel der Befragten (über 40,5 Punkte auf der CCAS-Skala) als Gruppe mit hoher Eco-Anxiety klassifiziert.Generationenunterschiede: Personen der Generation Z (geboren 1996–2010) weisen eine signifikant höhere Klimaangst auf als Personen der Generation Y.
Geschlecht: Frauen berichten über eine signifikant stärker ausgeprägte Eco-Anxiety als Männer.
Persönlichkeit: Es wurde ein starker positiver Zusammenhang zwischen Neurotizismus und Eco-Anxiety festgestellt. Menschen, die generell zu emotionaler Labilität und Sorgen neigen, erleben auch mehr Klimaangst.
Engagement: Aktive Klimaschützer:innen zeigen signifikant höhere Werte bei der Eco-Anxiety als weniger engagierte Personen.
Persönlichkeit: Es wurde ein starker positiver Zusammenhang zwischen Neurotizismus und Eco-Anxiety festgestellt. Menschen, die generell zu emotionaler Labilität und Sorgen neigen, erleben auch mehr Klimaangst.
Engagement: Aktive Klimaschützer:innen zeigen signifikant höhere Werte bei der Eco-Anxiety als weniger engagierte Personen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Eco-Anxiety insbesondere junge Menschen und Personen mit einer höheren emotionalen Vulnerabilität betrifft. Dass auch aktiv engagierte Personen hohe Belastungswerte zeigen, legt nahe, dass Klimaangst zwar zum Handeln motivieren kann, aber gleichzeitig eine psychische Herausforderung darstellt, die adaptive Bewältigungsstrategien erfordert.
