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Zum Einfluss der Hochsensibilität auf Angst bei 16- bis 21-Jährigen

Für ihre beeindruckende Hausarbeit im Studiengang Psychologie untersuchte Lia Bakker den Zusammenhang zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal „Hochsensibilität“ (HS) und Angstsymptomen in der bisher wenig erforschten Altersgruppe der 16- bis 21-Jährigen. Während bisherige Forschung Hochsensibilität primär bei Erwachsenen betrachtete, sollte diese Arbeit klären, ob Hochsensibilität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ebenfalls als Risikofaktor für Ängste fungiert.

Methode

Es handelt sich um eine quantitative, explanative Querschnittsstudie mit einem nicht-experimentellen Design (N=44). Zur Datenerhebung wurden folgende Instrumente genutzt:

HSP-Test (Satow, 2022): Erfassung der HS-Gesamtskala und der drei Subdimensionen: Leichte Erregbarkeit (EOE), Niedrige Wahrnehmungsschwelle (LST) und Hohe Empfindsamkeit (HSE). Der HSP-Test von Satow kann für nicht-kommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden.

Beck-Angst-Inventar (BAI): Erfassung der Angstsymptomatik.

Kontrollvariablen: Alter, Geschlecht, traumatische Kindheitserfahrungen (CTS) sowie die fünf Persönlichkeitsdimensionen (IPIP40: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit).

Ergebnisse

Hauptzusammenhang: Es konnte bestätigt werden, dass eine höhere Ausprägung von Hochsensibilität mit stärkeren Angstsymptomen einhergeht. Die HS leistet einen substanziellen Beitrag zur Erklärung von Angst bei dieser Altersgruppe (erklärte Varianz: 50,3 %).

Subdimensionen: Alle drei Subdimensionen zeigten signifikante Zusammenhänge mit Ängsten. Besonders die Niedrige Wahrnehmungsschwelle (LST) und die Leichte Erregbarkeit (EOE) erwiesen sich als starke Prädiktoren für Ängste.

Einfluss von Kontrollvariablen: In der multiplen Regressionsanalyse zeigte sich, dass Hochsensibilität der signifikanteste Prädiktor blieb, während klassische Kontrollvariablen (wie Neurotizismus) in diesem Modell keinen signifikanten zusätzlichen Beitrag leisteten. Lediglich Extraversion zeigte bei der Betrachtung der Subdimension HSE einen signifikanten (negativen) Einfluss auf Ängste.

Fazit und Implikationen

Die Studie unterstreicht die Relevanz von Hochsensibilität als potenziellen Risikofaktor für Angstsymptome bei 16- bis 21-Jährigen. Für die therapeutische Praxis bedeutet dies, dass ein Verständnis für das eigene Temperamentsmerkmal „Hochsensibilität“ zur Selbstakzeptanz beitragen und helfen kann, individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Aufgrund der geringen Stichprobengröße und des Querschnittsdesigns (keine Kausalität) sollten die Ergebnisse als explorativ betrachtet werden. Zukünftige Forschung sollte durch größere, repräsentative Stichproben und Längsschnittdesigns die Kausalitätsfrage klären und altersübergreifende Vergleiche ermöglichen.

Quellen